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Dienstag, 29.01.2008

Themenabend Arschkeramik

Wie bereits hier und bei anderen Bloggern angedeutet, wurde im Rahmen der Lesung im Kurshaus Ginsheim während der Pause ein Entwicklungshilfeprogramm für Wallisschweizer aus der Taufe gehoben, dass sich mit der Wissenserweiterung im Bereich geschäftsbedingter Sitzungsarten beschäftigte. Im Rahmen dieser grenzüberschreitenden Hilfsaktion, die im Übrigen völlig unbürokratisch innerhalb kürzester Zeit erfolgte, wurden folgende Thesen aufgestellt und Ergebnisse gefunden.

Der Flachspüler
Bei Wikipedia findet man eine recht ausführliche Beschreibung der Toilette im Allgemeinen. Der Flachspüler nun ist ein keramisches Sitzmöbel mit Ablauf vorne. Hinten ist eine Art Tablett für all diejenigen, denen eine Trennung, auch von eigenen Produkten, äußerst schwer fällt. Wobei es nicht weit fällt. Dafür aber die Chance bekommt, die Blume vor dem Abgang noch einmal kräftig zu entfalten. Farblich stehen dabei warme Brauntöne im Vordergrund. Und dieses Tablett dient nun dazu, dass sich der Angehörige gebührend von seinem Verschiedenen Ausgeschiedenen verabschieden kann. Oder eine Stuhlprobe nehmen. Oder nach Leben forschen, soll es ja auch geben.

Ein Vorteil des Flachspülers ist, dass man sich während einer Sitzung nicht den kompletten Hintern duscht, der Nachteil allerdings, dass die doch geringe Füllhöhe bei längeren Sitzungen Zwischenspülungen, ähnlich denen beim Zahnarzt, erfordert. Sonst thront man plötzlich auf einem Berg. Schweizer, die ja Berge eigentlich gewohnt sind, werden dadurch im Allgemeinen aber eher von der Benutzung abgeschreckt und verkneifen sich lieber ihr Urteil.

Der Tiefspüler
Im Gegensatz zum Flachspüler kommt der Tiefspüler mit hinten liegendem, tiefergelegtem Abfluss daher. Eine simple 180-Grad-Drehung einer Schüssel, vielleicht auch ein Depp beim Einbau, bescherte einem Designer wahrscheinlich den Wurf des Lebens. Der Tiefspüler birgt nun den Vorteil der zeitnahen, geruchsarmen Versenkung des Beweismittels im kühlen Nass und damit eine zwanglosere, durch Erstickungstod nicht mehr gefährdete, Sitzung. Nachteil, wie oben schon erwähnt, ist die durch Masse und Geschwindigkeit bestimmte Spritzmenge und -höhe, die sich kühlend in der Furche festsetzt. Ein erhöhter Gebrauch an gut saugendem Papier ist zur Trockenlegung erforderlich. Einige Benutzer bekommen dadurch aber zusätzlich noch ein Déjà-vu eines frühkindlichen Traumas.

In orientalischen Ländern, so habe ich an eigenem Hintern festgestellt, ist in der Nähe des Spülkastens indes eine Handbrause zur Tiefenreinigung angebracht, da kann man noch mal nachlegen, bevor es ans Trockenlegen geht. Soll ja hygienischer sein, birgt aber nur Vorteile, wenn man danach freischwingend unter einer Djellaba trocknen lassen kann.

Aus schweizerischem Erfahrungsschatz konnte man erfahren, dass das Prinzip der orientalischen Toilette inzwischen bereits hochtechnisiert weiterentwickelt wurde und, hauptsächlich in Japan, vollautomatische Spritz- und Trockendüsen vorhält. Lediglich die schonende Bürstenreinigung steht noch außen vor, da die Entwicklung von physiognomieabtastenden Lichtschranken zur Bürstenfeinsteuerung noch in den Kinderschuhen steckt, beziehungsweise der Auflösungsbereich noch nicht bis in den Mikrometerbereich verfeinert werden konnte. Auch das Problem der Stehpinkler (erhöhter Nachspüldruck, stärkere Gebläsestufe) konnte noch nicht zufriedenstellend gelöst werden.

Frau Wilde Orchidee erbot sich aber, eine genauere Auflistung dieser Örtlichkeit bereitzustellen.




[edit: aus einem Kommentar von den Kurshausgeschichten: ein wirklich erhellender Link.]

Autopsien

Phil am 29.01.2008 - 19:28

Oh - ist ja fast 'ne Diplomarbeit! Was soll ich denn jetzt noch Neues zum Thema schreiben, Sie Schuft! :)

schneck06 am 29.01.2008 - 19:59

gut recherchiert! aber was ist, wenn der strom ausfällt?

herold am 29.01.2008 - 20:45

die sibirische toilette ist übrigens auch nicht schlecht: zwei stöcke - einen zum aufstützen und den anderen zum wölfe vertreiben.

Stockfisch am 30.01.2008 - 00:03

lol.
Ich bin ja mal auf die thailändischen gespannt. Bei meinem letzten Besuch vor 20 Jahren fand man sehr oft ein kreisrundes Loch im Fußboden und zwei Trittstufen für die Füße daneben.
Elende Zielerei das.

Wilde Orchidee am 30.01.2008 - 13:39

In Genève ist es ähnlich wie in Zürich. Die verfeinerten Luxusvariationen bedürfen noch weiterer Recherche. Was ich jetzt schon verraten kann - die Damen haben`s besser!

Michael K. Trout am 01.02.2008 - 11:59

tiefgründige Ergründung eines gründlichen Themas, dessen Tiefe und Fläche eine mehrdimensionale Deutung in der gesellschaftlichen Gesamtausprägung gestern, heute und in Zukunft förmlich fordert.
Ich hoffe, es folgen weitere Erörterungen dieses bewegend-wichtigen Forschungsgebietes.

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